Vorsicht Falle bei Beispielen zu OKR aus dem Netz

Ich bekenne mich schuldig. Ich habe im Internet nach Beispielen für OKRs aus dem Bereich HR gesucht. Und ich wurde leider darin bestätigt, dass man bei Beispielen aus dem Netz vorsichtig sein sollte. In diesem Artikel möchte ich ein typisches Beispiel aus dem Netz mit dir gemeinsam verbessern und dann 5 Gründe nennen, warum du bei OKR-Beispielen aus dem Netz vorsichtig sein solltest.

Ein Arbeitsplatz der Zukunft, der Offenheit, Zusammenarbeit und Kreativität unterstützt?

Mein Beispiel-OKR (siehe Bild) trägt den Titel “Ein Arbeitsplatz der Zukunft, der Offenheit, Zusammenarbeit und Kreativität unterstützt”. Auf den ersten Blick sieht alles gut aus. Es gibt einen inspirierenden Titel und drei messbare Key Results. Aber irgendetwas stimmt dann doch nicht. Schauen wir uns das OKR näher an.

Das OKR als Beispiel für den Bereich HR aus dem Internet

Ein gutes Objective sollte zum Handeln motivieren

Paul Niven ist seit vielen Jahren Experte in der Strategieentwicklung und -umsetzung und hat zusammen mit Ben Lamorte das Referenzwerk zu “Objectives & Key Results” geschrieben1. Paul Niven sagt, dass ein gutes OKR eine Geschichte erzählt.

"Erst ein starkes Verb im Objective, ruft zum Handeln auf"

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Eine Geschichte, die in sich schlüssig und inspirierend sein soll. In dieser Geschichte kommt dem Objective, also dem Richtungsziel, eine wichtige Rolle zu: Das Objective soll zum Handeln aufrufen. Und das gelingt am besten über ein starkes Verb.

Mein erster Verbesserungsversuch. Ich formuliere das Objective so um, dass eine aktive Sprache verwendet wird.

Objective: Wir schaffen einen Arbeitsplatz der Zukunft, der Offenheit, Zusammenarbeit und Kreativität unterstütz.

Vorsicht vor dem Wörtchen “und” im Objective

Beim Objective heißt es: “Ein Arbeitsplatz, der Offenheit, Zusammenarbeit und Kreativität unterstützt”. Natürlich weiß ich, dass die Aufzählung beschreiben soll, was so ein Arbeitsplatz der Zukunft überhaupt ist. Dennoch bin ich vorsichtig, wenn in einem Objective das Wort “und” vorkommt. Es besteht die Gefahr, dass mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt werden.

"Vermeide im Objective das Wörtchen 'und'"

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Bei näherer Betrachtung der Key-Results des Objectives bin ich der Meinung, dass in diesem Beispiel tatsächlich zwei unterschiedliche Ziele verfolgt werden:

  • Ziel 1: die Steigerung von Innovation und Kreativität und
  • Ziel 2: die Förderung des Austauschs in der Zusammenarbeit.

Daher schlage ich vor, die Ziele aufzutrennen und getrennt zu betrachten:

Objective 1: Wir setzten Innovation und Kreativität in unserer Arbeit frei. Objective 2: Wir schaffen Räume für besserer Zusammenarbeit durch offenen Austausch

Was vielen Objectives fehlt: das “Wozu” und “Warum”

Laut Felipe Castro müssen OKRs sowohl vom Objective als auch von den Key-Results den “So What”-Test2 bestehen. Das heißt, es gibt eine klare Antwort auf die Frage nach dem “Wozu” und “Warum”. Ohne diese Rationalisierung, sind OKRs nur schwer nachvollziehbar. Idealerweise sollte das “Wozu” und “Warum” vom Kundennutzen getrieben sein 3.

"Ein gutes OKR beantwortet immer die Frage des 'Wozu' und 'Warum' aus der Sicht des Mehrwertes für den Kunden"

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Die Frage lautet daher: Warum sollte der Kunde einen Innovationsraum mit einem 3D-Drucker mitfinanzieren?

Hier ist mein Verbesserungsvorschlag:

Objective #1: Wir ermöglichen Innovation und Kreativität in unserer Arbeit, damit wir unseren Kunden neue Lösungen und Produkte anbieten können.

Messen die Key-Results eine Wirkung?

Schauen wir auf die 3 Key Results:

  • KR1: Wir verfügen über einen über HR buchbaren Innovationsraum mit einem 3D-Drucker und Virtual Reality Glasses.
  • KR2: Wir unterstützen die Kreativität unserer Mitarbeiter mit einem quartalsweise ausgerichteten internen Ideen Wettbewerb.
  • KR3: Drei Feedbackrunden für jedes Team in jedem Quartal mit anschließender Friday-Bar stärken offenen Austausch.

Alle drei Key-Results (KRs) erfüllen zunächst wichtige Kriterien, denn

  • die KRs sind messbar,
  • die KRs sind durch eigenes Handeln beeinflussbar
  • die KRs unterstützen ihr Objective
  • die KRs haben sogar alle eine Rationalisierung ihrer Existenz

Fällt dir etwas auf? Richtig, alle Key-Results sind Aufgaben oder Projekte. Sorgt der Innovationsraum für mehr Kreativität? Führt der Ideenwettbewerb zu guten Ideen? Und wenn ja, wie erkennen wird das?

"Was vielen Key Results fehlt, ist die Messung der gewünschten Wirkung"

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Was den Key-Results fehlt, ist die Messung der gewünschten Wirkung. Alle drei Key Results sind Maßnahmen und geben konkrete Lösungen vor. Durch die Vorgabe dieser Lösungen wird das Spektrum möglicher Ideen stark eingeschränkt. Vielleicht braucht der Innovationsraum eher einen Satz Legosteine für Lego Serious Play und eine Bastelecke für handwerkliche Arbeit?

Stelle die richtigen Fragen

Als ich das OKR in meinem Workshop vorstellte, kamen von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sofort mehrere Ideen zur Verbesserung. Zwei davon möchte ich hier weitergeben:

KR4: 30 MA haben den Innovationsraum benutzt und geben ein positives Feedback.

Es ist ja schön, wenn die Firma einen Innovationsraum geschaffen hat. Wichtig ist, dass er akzeptiert, genutzt und zu guten Ergebnissen führt. Dazu reicht ein einfache Messung des Feedbacks und eine Messung der Nutzung.

KR5: Wir haben die drei wichtigsten Wünsche für ein kreatives Umfeld identifiziert.

Wichtig bei solchen Key-Results ist, dass das Ergebnis beschrieben wird und nicht der Weg dorthin. Ob die drei Wünsche durch einen Workshop, durch Interviews oder eine Mitarbeiterbefragung identifiziert wurden, braucht nicht Bestandteil des Key Results sein.

Wie ist deine Sicht? Was würdest du verbessern?

Jetzt würde mich interessieren, was du aus dem OKR machen würdest. Was sind deine Ideen, um das OKR der Personalabteilung ein wenig besser zu machen? Oder vielleicht stimmst du mir in einigen Punkten auch nicht zu? Wunderbar, schreibe gerne einen Kommentar.


  1. Ein aus meiner Sicht empfehlenswertes Buch: Objectives and Key Results: Driving Focus, Alignment, and Engagement with OKRs (Wiley Corporate F&A) ↩︎

  2. Das ist ein schöner Artikel zum So-What Test von Felipe Castro: https://felipecastro.com/en/blog/so-what-test ↩︎

  3. Meine aktualisierte Checkliste zum Thema OKR: https://andreclaassen.de/landingpage/okr-checkliste/ ↩︎

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