Taugen Moonshot-Ziele für die Verwaltung?

Taugen Moonshot-Ziele für die Verwaltung?

OKR ist in Veruf geraten, weil es zunächst in einem Digitalkonzern wie Google mit den Moonshot-Zielen bekannt wurde. Moonshots, das sind aggressive und ambitionierte Ziele passen scheinbar gar nicht zur öffentlichen Verwaltung. Sie führen gar zu Ängsten und Aversionen.

Und das finde ich insofern bemerkenswert, als gerade die öffentliche Verwaltung gezeigt hat, dass sie in Krisen zu unfassbaren Dingen fähig ist. Ich denke an die Überflutung der Elbe, an die Pandemie, an die Flüchtlingskrise. All diese extrem schwierigen Situationen wurden vergleichsweise gut bewältigt.

Der Sinn hinter dem Moonshot ist eigentlich gar kein Leistungsgedanke. Es geht überhaupt nicht darum, Mitarbeiter zu überfordern und zu Leistungen anzutreiben, zu denen sie eigentlich gar nicht in der Lage sind, oder zu Arbeitsüberlastungen, die sie erschöpft zusammenbrechen lassen. Die eigentliche Idee hinter den Mondstadt-Zielen ist etwas anderes.

Extrem ambitionierte Ziele können dabei helfen, neue Wege zu suchen, um die Ziele zu erreichen. Wir sprechen auch vom Denken out of the box, also vom Denken außerhalb der gewohnten Bahnen.

Out of the Box Denken finden wir eher in der Politik, als in der öffentlichen Verwaltung. Das zeige ich am Beispiel von zwei völlig gegensätzlichen Figuren auf, Konrad Adenauer und Petra Kelly.

Beginnen wir mit Konrad Adenauer, dem populären und umstrittenen Nachkriegskanzler. Vor dem Krieg war er erfolgreicher Oberbürgermeister in Kölnund setzte damals in den 20er Jahren auf radikaler Infrastrukturprojekte: beispielsweise die Schaffung eines grünen Gürtels statt Betonanlagen, der Bau moderner Messegelände und die Realisierung erster Visionen für Autobahnen.

Ein anderes Beispiel für „Out-of-the-box" Denken ist die später unglücklich verstorbene Politikerin Petra Kelly. Sie brachte völlig neue Inhalte in die Politik, wie beispielsweise Ökologie und Pazifismus. Sie setzte auf Basisdemokratie, führte das Rotationsprinzip ein und setzte auf NGOs und das Gemeinwohl.