Ich arbeite gerade an einer privaten App, die die unterschiedlichsten Eingangskanäle zu einem einzigen Strom zusammenführt. Inspiriert hat mich dabei der BlackBerry Messenger. BlackBerry war das Smartphone vor dem Smartphone.

Die Daten waren längst da

In der App wollte ich zu jedem Menschen, der mich kontaktiert, das Profilbild und ein paar Angaben zur Person zeigen. Ich dachte, dafür müsste ich die Daten neu erheben. Dabei hatte ich sie schon: Sie wurden bereits stündlich abgeholt und frisch gehalten. Ich hatte es schlicht vergessen.

In Organisationen ist es genauso

Warum erzähle ich das? Wenn ich im beruflichen Kontext mit OKR arbeite, stelle ich fest, dass die meisten Daten ebenfalls schon vorliegen. Die Menschen haben nur vergessen, wo. Oder sie glauben, dass sie in ihrer Organisation keinen Zugriff auf diese Daten haben.

Erst suchen, dann erheben

Mein Tipp: Bevor Sie neue Daten erheben, prüfen Sie, ob es sie nicht schon gibt. Datenspuren finden sich in Ticketsystemen, Fachverfahren und Posteingängen. Sie tragen oft eine Zahl, die für ein Key Result oder eine Wirtschaftlichkeitsbewertung hilfreich ist. Douglas W. Hubbard bringt es auf den Punkt: Sie haben Zugriff auf mehr Daten, als Sie denken, und Sie brauchen weniger, als Sie denken.

Vorsicht, Falle

Gehen Sie aber niemals den umgekehrten Weg. Messen Sie nicht einfach auf Basis der Daten, die Sie vermeintlich schon haben.

Douglas W. Hubbard, für mich der Papst des Messens und des Risikomanagements, nennt das die Messinversion. In den Entscheidungsmodellen seiner Kunden fand er immer wieder dasselbe Muster: Die Größen, die eine Organisation am gründlichsten misst, haben meist den geringsten Wert für die Entscheidung. Die Größen mit dem höchsten Wert misst niemand. Oft fehlen sie in der Entscheidungsvorlage ganz, etwa das Risiko, dass ein Projekt abgebrochen wird, oder dass die neue Lösung kaum jemand nutzt.

Der Grund ist menschlich. Wir messen, was wir zu messen wissen und was leicht zu haben ist. Hubbard erinnert an den Betrunkenen, der seine Geldbörse unter der Straßenlaterne sucht, obwohl er sie in der dunklen Kneipe verloren hat. Draußen ist das Licht besser. Und manchmal misst man auch lieber das, was gute Nachrichten verspricht.

Deshalb gilt die Reihenfolge:

  1. Klären Sie die Entscheidung, die die Zahl stützen soll.
  2. Fragen Sie, wo die Unsicherheit am größten ist und ein Irrtum am teuersten wäre.
  3. Suchen Sie erst dann in den Daten, die schon da sind.

Eine Zahl ist nicht deshalb wertvoll, weil sie schon im System steht, sondern weil sie eine Entscheidung besser macht.

Quelle

Douglas W. Hubbard: How to Measure Anything. Finding the Value of Intangibles in Business. Wiley.

Titelbild: Foto von Masjid MABA auf Unsplash.