OKR Podcast #34: Living Strategy mit Mario André Brückner

Hier ist ein Gespräch, auf das ich mich schon seit Langem gefreut habe. Mit Mario André Brückner unterhalte ich mich über die Living Strategy, die lebendige Strategieentwicklung. Mario hat zusammen mit mehreren Kunden ein neues Konzept für Strategiearbeit in einer komplexen Welt entwickelt. Heraus kam die Living Strategy, die ein gelungener Mix aus Design Thinking, agiler Arbeit und agiler Führung ist. Was mir besonders gut gefällt: Die Living Strategy beinhaltet viele Ideen von Daniel Mezick und nutzt Elemente der Open Space Agility und des Inviting Leadership in der Strategiearbeit.

Du solltest diesen Podcast unbedingt hören, wenn dich

  • kreative und agile Strategiearbeit interessierst.
  • du wissen willst, wie Teams und Menschen sinnvoll in die Strategieentwicklung eingebunden werden können.
  • oder wenn du neue Tools und frische Ideen für deine Strategieentwicklung benötigst.

Für die Freunde der öffentlichen Verwaltung, die findet natürlich auch Erwähnung.

Und jetzt wünsche ich viel Spaß beim Hören

Unsere Themen in dieser Episode

  • Mario André Brückner stellt sich vor
  • Warum ist Strategiearbeit auch in der VUCA-Welt so wichtig?
  • Woran scheitert eigentlich die klassische Strategiearbeit?
  • Was zeichnet moderne adaptive Strategiearbeit aus?
  • Trennung von Strategie- und Transformationsarbeit
  • Einbeziehung von Kunden, Bürgern etc. in die Strategiearbeit
  • Welche Bedeutung hat (agile) Führung in der Strategiearbeit?
  • Welche sinnstiftende Rolle können OKRs in der Living Strategy spielen?
  • Tipps von Mario für den Einstieg in die agile Strategiearbeit
🛑
Hinweis:

Der folgende Text ist ein gekürzter und gestraffter Auszug aus unserem Gespräch. Wenn du alles wissen möchtest, dann höre dir den Podcast an.

Mario stellt sich vor

Mario André Brückner

Ich selbst bin Executive MBA (2010) und habe ab Ende der 90er-Jahre als Berater in Europa, Asien und in den USA gearbeitet. Seit 2010 arbeite ich im agilen Umfeld, insbesondere im Bereich Agile Delivery, im Innovationsmanagement und als Speaker. Ich habe hier in Deutschland das Agilizer Netzwerk aufgebaut und arbeite zudem als Dozent in akademischen Einrichtungen.

Wie ist die Idee zur Living Strategy entstanden?

Mario André Brückner

Ich entwickle jetzt seit über 8 Jahren praxisorientierte Konzepte. Der Ausgangspunkt für die Living Strategy war die Frage, wie Strategiearbeit anders und zeitgemäßer aussehen kann? Mit anders meine ich nicht, dass alles neu oder anders ist, sondern ich habe für die Living Strategy bestehende Strategiearbeit weiterentwickelt, geändert, gekürzt und mit agilen Konzepten neu zusammengestellt.

Warum ist Strategiearbeit auch in einer VUCA-Welt wichtig?

Mario André Brückner

Strategiearbeit ist wichtiger denn je. Schon allein die grundlegenden Fragen, die jede Organisation für sich beantworten muss, sind:

  • Warum existiere ich?
  • Was ist mein Ziel (als Organisation)?

Zur Beantwortung dieser Frage ist Strategiearbeit notwendig.

Auf den Punkt gebracht, benötige ich auch in einer schnell ändernden Welt, die nicht immer ganz logisch ist, also der sogenannten VUCA-Welt, eine Orientierung für die ganze Organisation.

Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Ich möchte die Energie eines Unternehmens zielgerichtet einsetzen. Dafür benötige ich Fokussierung und Priorisierung, denn sonst wirst du vom Daily Business begraben. Die Frage lautet: Wie viel Arbeit zahlt die Organisation auf die Zukunft ein?
  2. Das Unternehmen benötigt einen Purpose (Zweck/Sinn). Die Mitarbeiter in einer Organisation benötigen ein Verständnis dafür, warum sie das etwas tun und welchen Sinn ihre Arbeit hat.

"Strategiearbeit macht auch in der VUCA-Welt Sinn. Die Menschen brauchen Orientierung, einen Sinn für Arbeit und einen Rahmen, der Zusammenarbeit und Selbstorganisation erst möglich macht."

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Was sind die Probleme in der klassischen Strategiearbeit?

Mario André Brückner

Strategiearbeit kennen wir schon seit 20 Jahren, etwa die 5 Forces von Porter oder die SWOT-Analyse. Aber diese Methoden sind nicht mehr adäquat für eine zukunftsorientierte Strategie in einem komplexen Umfeld.

Das hat im Wesentlichen zwei Gründe.

  1. Klassische Strategien werden oft außerhalb der Organisation (Off-Site) oder man kann auch sagen, im Elfenbeinturm entwickelt. Derartige Strategien betrachten oft langfristige Zeiträume von 5 bis 10 Jahren und werden durch teure externe Strategieexperten entwickelt. Diese Form der Strategiearbeit ist sehr aufwendig und langwierig. Oft dauert das 6–9 Monate. Wenn die Strategie dann endlich erarbeitet wurde, hat sich die Welt weitergedreht.
  2. Die so erarbeiten Strategien werden nicht gut kommuniziert. Ähnlich wie bei einer Papstwahl wird die Strategie erarbeitet, dann steigt weißer Rauch auf und es heißt, wir sind fertig. Die Strategie muss in einer Form kommuniziert werden, sodass alle diese in ihrer Arbeit umsetzen und verstehen können. Die gewählte Sprache ist oft eine große Hürde in der Kommunikation.

"Die gewählte Sprache ist eine der großen Hürden in der Kommunikation"

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Wodurch zeichnet sich moderne Strategiearbeit aus?

Mario André Brückner

Ich nehme als Beispiel meine Arbeit in einem Energiekonzern. Zusammen mit dem CIO wollten wir eine Strategie aufsetzen für einen neuen Bereich mit ca. 3.500 Mitarbeiter.

Ich wollte, keine Papstwahl und die Mitarbeiter in die Strategiearbeit einbeziehen.

Wir haben zur Entwicklung der neuen Strategie eine Mitarbeiterbefragung gemacht und auf unsere Fragen haben sich ca. 80 Mitarbeiter mit Begründung gemeldet.

Diese Mitarbeiter haben wir an ihren unterschiedlichen weltweiten Standorten besucht und mit ihnen vor Ort Strategie-Workshops durchgeführt. Die Ergebnisse haben wir in einem Buch mit Bildern zusammengefasst.

Auf Basis dieses Buchs hat der Vorstand genau wie die Mitarbeiter selbst einen eigenen Strategie-Workshop durchgeführt. Wie steht das Vorgehen, konnte das Wissen der Mitarbeiter berücksichtigt werden? Das Ergebnis dieser Strategieentwicklung haben wir dann auf einen One-Pager zusammen gefasst: Mission/Vision/Ziele.

Dann haben wir die einzelnen Themen in einem Strategieprozess vertieft. Alle 3 Monate machten wir einen Deep Dive in einzelne Themenfelder, zum Beispiel Cloudification. Die 80 Mitarbeiter bildeten mittlerweile ein “Strategie-Netzwerk” auf das wir glücklicherweise zugreifen konnten.

"Moderne Strategiearbeit ist kontinuierlich, dauerhaft und einladend!"

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Wie kann ich mir die Strategieumsetzung vorstellen?

Mario André Brückner

Es ist essenziell, zwischen der Strategieentwicklung und der Strategieumsetzung zu trennen. Beides kann mit völlig unterschiedlichen Methoden gemacht werden.

Die Strategieumsetzung kann beispielsweise mit Open Space Agility, Open Space Beta oder der Living Transformation erfolgen.

Ein Ansatz zur Strategieumsetzung ist natürlich das Framework OKR. Und in der Tat, viele Kunden der Living Strategy verwenden auch OKR, um die Ergebnisse der Strategiearbeit umzusetzen.

"Strategieentwicklung und Strategieumsetzung sind klar zu trennen"

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Warum ist moderne Strategiearbeit wie die Living Strategy für jede Unternehmensgröße relevant?

Mario André Brückner

Interessant ist, dass unser Ansatz der Living Strategy eigentlich in einem großen Cooperate Umfeld entwickelt wurde. Dieser Ansatz ist aber so einfach, dass jetzt auch Start-ups diese Methode einsetzen. Ein Beispiel ist das Start-up Wellnest in Essen, zu dem es auch einen Blogbeitrag gibt (siehe Show-Notes)

Strategiearbeit ist allen Branchen wichtig, das gilt auch für NGOs als auch für die öffentliche Verwaltung!

"Strategiearbeit ist allen Branchen wichtig, das gilt auch für NGOs als auch für die öffentliche Verwaltung!"

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Apropos Verwaltung, ergibt es Sinn, Bürger oder Kunden in den Strategieentwicklungsprozess einzubeziehen?

Mario André Brückner

Als Input für die Strategiearbeit ist das sicher sinnvoll. So können Kunden in dem Co-Creation-Prozess angelegt an das Design Thinking wie die Mitarbeiter einbezogen werden. In der öffentlichen Verwaltung auf der kommunalen Ebene wären das Bürger oder Unternehmen (und die Räte), die sch für das Thema interessieren und das Netzwerk weiterdenken.

Aber Vorsicht: Es ist wichtig, dass ich mir in der Strategiearbeit die Zukunft nicht diktieren lasse. Der Input ist wichtig, die Entscheidung liegt auf der Führungsebene.

"Es ist wichtig, sich bei der Strategiearbeit die Zukunft nicht diktieren zu lassen."

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Wie können OKRs in der Living Strategy mit Nutzen eingesetzt werden?

Mario André Brückner

Ich sehe zwei Punkte, in denen OKRs in der Strategiearbeit von hohem Nutzen sind.

  1. Zum einen ist OKR ein schönes Framework zur Strategieumsetzung. Und in der Tat nutzen meine Kunden in einer Vielzahl der Fälle OKR zur Umsetzung einer Strategie. Ich habe OKR auch in meinem Buch erwähnt, aber von der Methode nicht weiter ausgeführt. Dafür gibt es bereits genug Literatur.
  2. Der zweite Punkt ist die Verbindung der Living Strategy mit der Living Transformation. Damit habe ich nicht nur ein schönes Cockpit, sondern auch eine Messbarkeit in der Transformationsarbeit.

"OKRs helfen in der Living Strategy an zwei Punkten: In der Umsetzung und in der Beschreibung von Transformationszielen beispielsweise in der Living Transformation."

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Welche Tipps hast du für unsere Hörer:innen und Leser:innen?

Mario André Brückner

  • Schaut euch gerne die Webseite und das Buch zur Living Transformation an. Die Living Strategy wird dort auch behandelt.
  • Fang mit der Living Strategy als Template an. Endlich wird eine Strategie erarbeitet, die Mitarbeiter verstehen und womit sie etwas anfangen könne. Nutze die wesentlichen Elemente Stringenz in der Umsetzung, Transparenz in der Kommunikation und Authentizität in der Führungsarbeit.
  • Überlegt, welche Elemente aus dem Gesamtkonzept für euch hilfreich sein können. Das kann insbesondere der One-Pager zur Strategieentwicklung sein oder der Strategy-Radar aus dem Buch.

Wie erhalte ich Unterstützung?

Mario André Brückner

  • Falls ihr Unterstützung benötigt, sprecht mich oder André an und wir helfen euch sehr gerne beim Thema Strategiearbeit
  • In der Agilizer Academy bieten wir ein Training für den Transformation Catalyst an, auf das wir sehr positive Resonanz erhalten haben. Dort ist die Living Strategy ein ganz elementarer Bestandteil.

Show-Notes

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