Why Now?

Ein Grund, warum ich bei der Einführung von OKR dedizierte Tools ablehne, ist, dass viele Tools ihren Schwerpunkt auf eine Dashboard-Darstellung legen. Die Tools zeigen die OKR-Sets mit ihren Objectives & Key Results als kurze Sätze mit bunten Fortschrittsbalken und Ampeln an. Dabei wird der Schwerpunkt auf Zahlen, Daten, Fakten (ZDF) gelegt und gleichzeitig werden die OKRs ihrer Tiefe und Sinnhaftigkeit beraubt. Doch wie kann ein Kontext gut dargestellt und formuliert werden? Das zeige ich jetzt anhand der Frage “Why Now” auf.

Der OKR-Kontext

Ben Lamorte und Paul Niven haben bereits 2016 ihr Standardwerk zum Thema Objectives & Key Results 1 geschrieben. Sie haben sich in ihrem Buch auch darüber Gedanken gemacht, wie ein OKR-Set vollständig dargestellt werden kann. Ihre damalige Idee war es, dass ein Kontext für ein OKR erforderlich ist. Nur durch den Kontext kann ein Leser verstehen, warum das OKR bedeutsam ist. Sie nannten den Kontext damals “OKR-Beschreibung”.

Es stellte sich heraus, dass viele Nutzer von OKR mit der OKR-Beschreibung nichts anfangen konnten. Ben Lamorte gab an, dass nicht ein einziger seiner Kunden die Objektbeschreibung nutzte. Die wesentliche Frage, warum das OKR wichtig ist, blieb damit unbeantwortet.

Ben Lamorte über das Why Now (The OKRs Field Book)

Ben Lamorte experimentierte mit der Idee, jedes OKR mit der Frage “Why Now? oder “Warum gerade jetzt?” zu ergänzen. Diese Idee brachte den Durchbruch für den OKR-Kontext und wurde von den Kunden begeistert aufgegriffen 2. Einige Kunden gaben sogar an, dass allein die Klärung des “Why” für ein Objective, für sie den größten Mehrwert für OKR brachte.

Why Now?

Ich lese in meiner Rolle als OKR-Coach sehr viele OKR-Sets und mir fällt es oft schwer, anhand der Formulierung von Objectives und deren Key Results zu erkennen, warum gerade dieses OKR-Set wichtig ist. Die Antwort auf die Frage, “Why Now?” oder “Warum gerade jetzt?” hilft hier weiter.

Hier ist ein einfaches Beispiel für ein “Why Now”:

Why Now Key Result Objective
Die Qualität unserer letzten Entscheidungen in den Klausuren war nicht gut genug. Es fehlte uns eindeutig an operativer Expertise. In den nächsten Wochen werden wir über eine neue Produktlinie entscheiden und dazu das Know-How der Mitarbeiter frühzeitig und aktiv einbinden. Wir glauben, dass wir dann mehr und bessere Perspektiven für eine Entscheidung erhalten. Wir laden zu unseren Klausuren jetzt 10 Mitarbeiter aus den Bereichen ein Wir etablieren eine Mitwirkung der Mitarbeiter in unseren Klausuren!

Sense of Urgency

Die Antwort auf die Frage “Warum gerade jetzt” klärt nicht nur die Wichtigkeit, sondern schafft auch ein Gefühl der Dringlichkeit (Sense of Urgency) 3. Und am Ende des Tages dienen Zielsysteme nicht dem Erhalt des Status quo (dafür sind eher die KPIs zuständig), sondern der Auslösung einer Veränderung der bestehenden Verhältnisse.

Mein Tipp: Probiere es einfach aus

Mein Tipp: Probiere die Frage “Why now?” einmal in deinen OKR-Coachings oder OKR-Planungsprozessen aus. Stelle und beantworte die Frage, “Warum gerade jetzt” und ergänze die OKR-Sets mit dieser Frage und mache die Antwort sichtbar.

Was mich interessieren würde: Welche Attribute oder Ergänzungen nimmst du vor, um deine OKR-Sets so zu beschreiben, dass der Kontext besser verständlich ist? Das würde mich sehr interessieren.


  1. Das Standardwerk zu OKR von Paul Niven und Ben Lamorte: https://www.amazon.de/Objectives-Key-Results-Alignment-Engagement/dp/1119252393 ↩︎

  2. Das neue Buch von Ben Lamorte speziell für OKR-Coaches: https://www.amazon.de/gp/product/1734535105 ↩︎

  3. Wenn du dich jetzt beim Lesen an die Eisenhower-Matrix erinnert fühlst, dann ist das kein Zufall. ↩︎

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