Wiederverwendung von Objectives verboten?

Letztens erfuhr ich von einer Kollegin, dass in ihrem Unternehmen die Nutzung von Objectives (Zielbeschreibungen) über mehr als einen Zyklus nicht erlaubt ist. Zuerst schüttelte ich innerlich den Kopf, aber dann dachte ich darüber nach. Ist diese Regel vielleicht doch sinnvoll und aus welchem Zweck heraus existiert sie?

Wann ist ein OKR ein OKR?

Es gibt zwei Blickwinkel, wie du ein OKR betrachten kannst:

  1. Der eine Blickwinkel besagt, dass ein OKR immer ein geschlossenes Gesamtpaket für einen Zyklus darstellt. Das Objective beschreibt einen Zustand, der am Ende des Zyklus, also nach 90 Tagen erreicht werden soll. Eine Wiederverwendung von Objectives kann hier befremdlich wirken.
  2. Eine andere Denkrichtung sagt, dass ein OKR das aktuell wichtigste Business-Problem beschreibt. Und dieses wichtige Business-Problem besteht möglicherweise länger, als ein OKR-Zyklus von 90 Tagen. Aus dieser Denkrichtung heraus wäre eine Wiederverwendung von Objectives völlig in Ordnung.

Warum Verbote nicht helfen

Warum existieren solche Regeln? Ich kann hier nur spekulieren, weil ich den Grund nicht kenne. Möglicherweise soll das Verbot dazu führen, dass weniger belanglose OKRs geschrieben werden. In alten Zielsystemen wurden Ziele gerne mit geringen Anpassungen „fortgeschrieben“.

Falls, dass der Fall ist, läuft das Verbot ins Leere. Wenn die Teams keine Lust auf OKR haben, dann ändert diese Regel gar nichts daran. Die OKRs werden weiterhin schlecht formuliert1.

Zudem werden OKRs auch zur Formulierung von Hypothesen in komplexen Situationen angewendet. Verbote und Regeln helfen in der Komplexität auch nicht.

Objectives haben manchmal eine hohe Haltbarkeit

Die Realität ist ganz einfach. Egal aus welcher Blickrichtung wir OKR betrachten. Wir blicken mit dem OKR in ein Fenster in eine unbekannte Zukunft. Und auch OKRs geben uns keine Kontrolle über die Realität! Es ist also natürlich, dass ein Objective auch im nächsten Zyklus (und darüberhinaus) völlig intakt bleibt. Dann darf das Objective (also die Zielbeschreibung) weiter verwendet werden.

Motivation und Kommunikation führen zu guten OKRs

Ja, ich halte eine Hilfestellung durch Regeln und Checklisten zur Formulierung guter OKRs für sehr hilfreich. Insbesondere zu Beginn mit der Arbeit mit OKR. Ich gebe ja selbst solche Hilfestellung beispielsweise in Form der OKR Checkliste oder in meinem Webinar zu effektiven Key Results. Die Regeln sollten aber nicht dogmatisch sein. Ausnahmen sind immer erlaubt.

Der wahre Schlüssel für gute OKRs liegt eher in der Motivation der Menschen, die mit dem OKR Framework arbeiten. Und die Motivation entsteht, weil ein klarer persönlicher Nutzen erkennbar ist. Eigennutz motiviert!

Und als letzten Punkt empfehle ich, die OKR-Sets mit Menschen außerhalb des eigenen Teams zu challengen. Ein guter Ort dafür ist der Alignment Workshop.

Welche Regeln stören dich?

Kennst du in deinem OKR-Kontext Regeln oder Verbote, die du eher als störend oder falsch empfindest? Schreibe mir gerne dazu direkt hier in den Kommentaren.


  1. Womit ich nicht sagen will, dass das der einzige Grund für schlecht formulierte OKRs ist. ↩︎

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