12 Gründe für den "Best of Blog 2020" auf t2informatik.de

Seit Jahren lese ich mit großem Vergnügen die Blogbeiträge von t2informatik.de. Obwohl die t2informatik ein IT-Dienstleister für Softwareentwicklung ist, sind die Themen auf dem Blog sehr breit angelegt.

Die Themenbreite erinnert mich an einen schönen Regenbogen am Abendhimmel einer Sommernacht. Ich sehe im violetten Bereich die philosophischen Standpunkte zum trans-rationalen Denken von Silke Nierfeld und entdecke im infraroten Bereich die Oberserver für die Zustandsverwaltung von Web-Oberflächen von Dan Wahlin (den ich übrigens auch sehr schätze).

All das wäre nicht möglich, ohne den unermüdlichen Einsatz von Michael Schenkel und seinem Team1. Michael schafft es immer wieder, interessante Menschen ansprechen und zu neuen Beiträgen im Blog zu ermuntern. Bei mir geschah es vor drei Jahren auf dem PM Camp< in Berlin , eine Veranstaltung, die ich übrigens sehr empfehlen kann.

Online Marketing mit Michael Schenkel

Zu Beginn jedes Jahres veröffentlicht Michael eine Sammlung der “Best-Of” Beiträge des Jahres als herunterladbare und zusammengefasste PDF.

Und diese Ausgabe des Jahres 2020 möchte ich dir anhand 12 handfester Gründe zum Download und Lesen empfehlen.

Das sind meine 12 Gründe, warum das Best-Of aus 2020 sehr lesenswert ist:

Grund 1: “Modern Agile Principles: Agiler arbeiten einfach gemacht” von Kai-Marian Pukall

Agilität ist weder Projektmanagement noch Methode, sondern lässt sich auf Prinzipien zurückführen. Kai-Marian beschreibt die Grundsätze von Modern Agile von Joshua Kerievsky und wie sich diese auf deine Arbeit als Agile Coach anwenden lassen:

Die 4 Prinzipien von Modern Agile

Grund 2: “Shifting Mindsets – geht das überhaupt?” von Silke Nierfeld

Silke Nierfeld verbindet westliche und östliche Philosophie als Grundlage für erfolgreiche Veränderung. Und Silke Nierfeld beschäftigt sich mit dem Denken. Sie sagt, dass es mehrere Ebenen des Denken gibt und es sich bei Veränderungen mehr lohnt, mit der Art des Denkens, statt mit den Inhalten des Denkens zu beschäftigen.

In ihrem Artikel beschreibt Silke sehr schön, wie das Denken erster Ordnung, also das Denken in Ursache-Wirkung, bei Veränderungen in der Komplexität an seine natürliche Grenze stößt. Ihr Vorschlag ist, bei der Veränderung das Denken zu verändern von der egoistischen, über di soziozentrische hin zur weltzentrischen Perspektive.

Übrigens, mir gefällt persönlich sehr die Verbindung von Philosophie und Kybernetik, die Silke hier aufmacht.

Grund 3: “Agilität haben wir probiert! Funktioniert nicht! – Teil 3” von Heiko Bartlog

Heiko Bartlog hat eine ganze Serie zum erfolgreichen Scheitern agiler Arbeit geschrieben. Im Teil 3 beschäftigt sich Heiko mit dem Agilitätstheater, der Karriereleiter auf “Augenhöhe” und dem wunderbaren Peter-Prinzip. Ein Artikel mit viel Witz und Ironie.

Unfähige Mitarbeiter sind begehrt, vor allem im Management.

Grund 4: “Beyond agile” von Silke Nierfeld

Silke geht kritisch mit Agilität ins Gericht, insbesondere mit der Software-Agilität. Ihre Aussage ist, dass nur ein echter Bewusstseinswandel eine Veränderung bewirkt. Agile Arbeit bleibt in der alten Denkstruktur es Rationalen verhaftet. Und Zukunftsfähigkeit wird nicht über Methoden, sondern über eine andere Denkebene induziert.

Trans-rationales Denken von © Silke Nierfeld

Die Verbindung oder gar Versöhnung von Geist und Verstand finde ich sehr wichtig. Organisationen und Menschen sind keine Maschinen, keine Ressourcen und keine Uhrwerke, sondern lebendige und sehr individuelle Systeme.

Grund 5: “Die drei häufigsten Denkfehler beim Thema Vision” von Andreas Ulrich

Andreas erklärt in diesem Beitrag die Bedeutung und Notwendigkeit von Visionen und beschreibt sehr anschaulich die drei häufigsten Denkfehler oder einfach falschen Erwartungen an Visionen:

  • Denkfehler 1. Die Vision MUSS für alle passen.
  • Denkfehler 2: Mehr Schein als Sein.
  • Denkfehler 3: Mit der Vision weiß jeder, was er zu tun hat.

Natürlich wird auch das berühmte Zitat von Helmut Schmidt erwähnt und ins rechte Licht gerückt.

Grund 6: “Remote Retrospektive – Tipps aus vielen Jahren” von Kristina Müller

Für mich ist der Artikel von Kristina Müller einer der wichtigsten Artikel in diesem Jahr. Ein Jahr, das sehr durch die Arbeit auf Distanz geprägt ist. Man merkt beim Lesen, dass Kristina über umfassende Erfahrung beim Thema Remote Work hat. Mir gefällt auch der von Kristina entwickelte OHIR-Zyklus:

  1. Observe: Was beobachten wir
  2. Hypothesis: Welche Hypothesen haben wir zur Beobachtung
  3. Intervention: Die eigentliche Retrospektive
  4. Reflexion: Wie nützlich war die Retrospektive

Neben ihren 10 Tipps zur erfolgreichen Remote-Retrospektive verweist Kristina auf ein sehenswertes Video zu diesem Thema:

Secrets of Remote Retrospectives with Esther Derby

Grund 7: “Purpose? Habe ich: Am Leben bleiben!” von Conny Dethloff

Die Diskussion über den Zweck (“Purpose) von Organisationen wird in meiner Community kontrovers geführt. Conny Dethloff setzt auf eine provokante und nüchterne Gegenposition:

"Es gibt genau einen Sinn und Zweck für Unternehmen: ihr Fortbestehen, ihr Leben. Leben kennt kein Warum. Das Warum wird über Geschichten konstruiert, damit es besser klingt. (Conny Dethloff)"

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Das entspricht der Sichtweise des berühmten Kybernetikers und Organisationsphilosophen Stafford Beer, der einmal sagte: Der Sinn eines Unternehmens (System) besteht in den Dingen, die es tut.

Mich würde interessieren, wie deine Sicht zu diesem Thema ist. Für mich ist es so: Es ist sicher so, dass der Sinn des Lebens, das Leben an sich ist. Aber mein individuelles Leben darf durchaus erhabenere und größere Ziele verfolgen. Das selbe gilt auch für Organisationen. Ich sehe da keinen Widerspruch.

Grund 8: “Das Märchen von der Augenhöhe” von Julia Collard & Sven Schnitzler

Julia und Sven, auch bekannt als Doppel[t]spitze beschreiben in Form eines Märchens Aufstieg und Fall des selbstorganisierten Teams der Stadtmusikanten, weil der König irgendwann der Freizügigkeit überdrüssig wurde. Sehr lesenswert und anregend.

Grund 9: “Die geheime Superkraft für Projektmanager “von Georg Jocham

Eine wichtige und oft unbekannte Kompetenz von Mitarbeitern ist ihre Fähigkeit, Entscheidungen der Vorgesetzten herbeizuführen. Ich habe diese Aussage selbst oft gehört: “Ich bereite alles vor, aber der Chef dort oben entscheidet einfach nicht. Was soll ich da machen?”. Also kurz, die da oben sind schuld.

Georg räumt in seinem Artikel mit dem Vorurteil, dass Entscheidungen ausschließlich vom Entscheider herbeigeführt werden. Nein, derjenige, der an der Entscheidung interessiert ist, kann einen ordentlichen eigenen Beitrag dazu leisten.

Und wie das geht, das zeigt der Georg in seinem Artikel.

Entscheidungen treffen nach dem Lernschema von Bandura, Ross und Ross (1963) gezeichnet im liebevollen Detail von Georg Jocham

Grund 10: “Eine Reise durch die Teamuhr-Phasen” von Nadja Obenaus

Vielleicht kennst du auch die vier Phasen des Teambildungsprozesses, den Bruce W. Tuckmann bereits 1965 geprägt hat. Nadja Obenaus zeigt, wie du als Führungskraft in den 4 Phasen des Tuckmann-Modells positiv auf den Teambildungsprozess einwirken kannst. Dabei geht Nadja besonders auch auf die durch Corona bedingte Arbeit auf Distanz ein. Ihr Leitmotiv dabei ist sehr klar:

"Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser (Nadja Obenaus)"

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Grund 11: “Führung in ungewissen Zeiten” von Astrid Kuhlmey

Unsere Zeit ist aktuell von hoher Unsicherheit geprägt. Wie soll sich Führung verhalten? Astrid gibt eine Reihe von praktischen Tipps und schließt mit einem Beispiel, dem ich uneingeschränkt zustimme. Vor dem Hintergrund der Kapriolen anderer Staatsmänner freue ich mich auch über eine sachliche Kanzlerin, die mit Ruhe auf Sicht steuert.

Grund 12: “Auftragsklärung – das Wichtigste zuerst” von Eva Maria Schielein

Ein wunderbarer Text von Eva Maria Schielein zum strategischen Vorgehen bei der Auftragsklärung. Die für mich wichtigste Aussage steht direkt am Beginn:

"Auftragsklärung heißt, dass Problem zur Lösung finden. (Eva Maria Schielein)"

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Oft, sehr oft, eigentlich fast immer ist der scheinbar klare Auftrag gar nicht so klar. Es gibt oft ein dahinter liegendes eigenständiges Problem, welches entdeckt werden will. Wie das geht, das beschreibt Eva Maria in ihrem Artikel.

Bonusgrund 13: “Meine 5 Mythen zum agilen Zielsystem Objectives & Key Results” von André Claaßen

Und zuletzt findest du in der Best-Of 2020 auch meinen eigenen Artikel zu den 5 Mythen zum agilen Zielsystem Objectives & Key Results inklusive Bonusmythos 😀!

  • Mythos 1: Objectives & Key Results sind ein Zielsystem
  • Mythos 2: Objectives & Key Results sind agil
  • Mythos 3: Objectives & Key Results sind eine Strategie
  • Mythos 4: Ziele werden bei Objectives & Key Results kaskadiert
  • Mythos 5: In Objectives & Key Results müssen die Ziele ambitioniert sein
  • Bonusmythos: Objectives & Key Results sind ein Framework oder eine Methode

Lesen und Schreiben verfestigt das Denken

Insgesamt findest du 67 Seiten mit Wissen, Expertise und wunderbaren Inspirationen.

Und hier geht es zum Download: https://t2informatik.de/downloads/best-of-blog/!

Zum Schluss bewegt mich noch eines. Der Soziologe Niklas Luhmann sagte einmal:

"Schreiben verfestigt die Gedanken (Niklas Luhmann, Soziologe)"

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Das stimmt wirklich. Ich ermuntere dich daher, es einfach mal auszuprobieren und wieder etwas mehr selbst zu schreiben. Schreiben macht tatsächlich Spaß. Mittlerweile glaube ich, dass jeder es ganz gut kann, denn es ist auch eine Form von Handwerk, die uns irgendwie in der Schule abgewöhnt wurde.


  1. Höre dir auch gerne meine Podcast Episode mit Michael Schenkel zum Thema Online-Marketing an. ↩︎

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